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Mittwoch, 24 Oktober 2018 | 20:00 Uhr
Neue Kirche
Brückestraße 103, 26725 Emden
Tickets: 04921 871266 oder kulturevents@emden.de

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Neue Kirche EmdenDie Neue Kirche Emden: Gottesdienst- und Veranstaltungsraum

Sie heißt immer noch „Neue Kirche“, obwohl sie mittlerweile die älteste erhaltene Kirche in der Emder Innenstadt ist. Erbaut ist sie in den Jahren 1643 bis 1648, am Ende des 30-jährigen Krieges, oder wie es in der Inschrift auf der Südseite der Kirche steht: „in kummerlycke tyd des Vaderlands“. Sie wurde errichtet als dritte Kirche in Emden neben der Großen Kirche (zerstört 1943) und der Gasthauskirche (zerstört 1938). 

Doch aus noch einem weiteren Grund ist sie die „Neue Kirche“. Sie ist die erste reformierte Predigtkirche in Norddeutschland, die erste mit einem neuen theologischen Konzept. Der Architekt Martin Faber (1587 bis 1648) löste sich von dem katholischen Bautypus der Basilika, des nach Osten ausgerichteten Langhauses. Er schuf hier einen Zentralbau auf der Grundlage eines T-förmigen Grundrisses. Auf seinen Studienreisen besuchte Faber Südfrankreich und Italien. Dort kam er mit der Harmonielehre von Andrea Palladio (1508-1580) in Berührung. Auf seiner Rückreise nach Emden besuchte er die Noorderkerk in Amsterdam. Diese Kirche, erbaut von Hendrick de Keyser in den Jahren 1620 bis 1623, war der Anstoß für die Arbeit von Faber. Während jedoch die Kirche in Amsterdam als Grundriss das komplett ausgebildete griechische Kreuz hat, formte Faber den Bautypus um und schuf etwas völlig Neues und Stilprägendes: einen halbrunden Innenraum mit der Kanzel als Zentrum. Darunter ein schlichter, hölzerner Abendmahlstisch. 

Als die Kirche am 8. Februar 1648 in Gebrauch genommen wurde, gab es kein Gestühl. Es war selbstverständlich, dass man zum Gottesdienst steht. Erst 1818 kam eine erste Orgel in die Kirche und auch ein Kastengestühl. 

Am 6. September 1944 wurde die Kirche beim großen Bombenangriff auf Emden getroffen und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Das gesamte Interieur (Orgel, Kanzel, Gestühl etc.) verbrannte. Die Gemeinde hatte zwar gleich nach dem Krieg Aufbaupläne, doch keine finanziellen Mittel. Erst 1949/50 gelang der Wiederaufbau, zum Teil mit Spenden von Gemeinden aus den USA. Die äußeren Proportionen der Kirche blieben erhalten, im Inneren gab es aber gravierende Veränderungen. Vom Kirchraum wurde ein Versammlungsraum abgetrennt, die sogenannte Konsistorienkammer. Die Emporenführung auf der Nordseite wurde verändert. Und statt des ursprünglichen Tonnengewölbes wurde eine Flachdecke eingezogen. 

Im Jahr 1998 gründete sich der Bauverein Neue Kirche Emden e.V. mit dem Ziel, die Kirche in einen etwaigen Vorkriegszustand zurückzubauen. In den Jahren 2011 bis 2013 konnte mit Hilfe vieler weiterer Geldgeber das Innere zum Teil zurückgebaut und renoviert werden. Die Neue Kirche ist nun neben einem Gottesdienstraum auch ein moderner Veranstaltungs- und Konzertraum. Sie ist ein besonderer Ort der Begegnung geworden, der über Emden hinaus in die Region strahlt und auch von Konzertreihen wie dem „Ostfriesischen Sommer“ und den „Gezeitenkonzerten“ genutzt wird.