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Ab dem Semifinale wird jede Runde mit einem Prolog eingeläutet. Zeit für alle, die thematisch noch ein Stück tiefer in die Wettbewerbsrunden eintauchen möchten. Das Begleitprogramm schafft Zugänge, liefert Denkanstöße und sorgt für Gesprächsstoff.

 

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Prolog I:
Der Auftrag. Das Werk.

Do., 18.10., 18:00 Uhr
Richard Jakoby Saal (HMTMH)

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Komponieren kostet Zeit, über jeden Moment der Komposition denkt der Komponist lange nach bevor er entscheidet was klingen soll und – das ist vielleicht wichtiger – wie es zu notieren ist. Ein ganzes Jahr oder mehr an einem Werk zu arbeiten ist dabei keine Ausnahme. Die Teilnehmenden des Wettbewerbs erhalten die Noten von Rebecca Saunders’ Auftragskomposition ›Hauch‹ 13 Wochen bevor sie das Werk während des Semifinales des Wettbewerbs auf die Bühne bringen. 91 Tage konnten und mussten die jungen Musikerinnen und Musiker üben. Sie, die Zuhörerinnen und Zuhörer, haben dann zwischen 8 und 8,5 Minuten um ›Hauch‹ kennenzulernen. Man hört mit den Ohren, für das Zuhören aber braucht man viel mehr. Eine Komposition erzählt etwas und dieses ›etwas‹ ist nicht mit Worten zu beschreiben. Einzelne Töne sind wie die Buchstaben der Sprache, mehrere Töne bilden ein ›Wort‹, mehrere ›Wörter‹ einen Satz. Tonfarben, Dynamik und Phrasierung geben der Musik ihre Bedeutung. Durch aktives Zuhören versuchen wir zu verstehen was die Musik erzählt.

Das Komponieren ist eine Entdeckungsreise: Wie muss der Komponist seine Idee aufschreiben, so dass der Musiker versteht wie sie gespielt werden soll? Komponisten entdecken immer neue Spielarten mit denen sie ihre Vorstellung erreichen können. So ist auch das Zuhören eine Entdeckungsreise, bei der es hilft, wenn sie einigermaßen vorbereitet ist. Während dieses Prologes blicken die Komponisten und Dirigenten Lucas Vis und Thorsten Encke gemeinsam mit der Komponistin des Werks Rebecca Saunders aus verschiedenen Blickwinkeln auf ›Hauch‹.

Es heißt, Musik beginnt dort, wo die Sprache aufhört. Lucas Vis wagt trotzdem einen Versuch: »›Hauch‹ ist aus reinem Silber und Gold aufgebaut.«

 

 

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Prolog II:
Kammermusik!

Mo., 22.10., 18:30 Uhr
Richard Jakoby Saal (HMTMH)

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Was für eine Herausforderung! Was für eine schöne Herausforderung! Die Teilnehmenden der Finalrunden des Wettbewerbs treten nicht nur solistisch mit Orchester auf, sondern auch gemeinsam mit dem Kuss Quartett. Zur Wahl steht das Streichquintett op. 4 von Ludwig van Beethoven oder eines der Streichquintette von Wolfgang Amadeus Mozart, die der Musikwissenschaftler Charles Rosen »seine größte Leistung in der Kammermusik« nannte.

Der Musikkritiker und Komponist Johann Friedrich Reichardt hatte noch 1773 festgestellt, das Streichquartett sei die Idealform des musikalischen Gesprächs, jede weitere Stimme würde störend, verwirrend wirken. Wenn er es tatsächlich so empfand, dann nahm Mozart die Herausforderung liebend gern an. Seine Streichquintette sind herrliche Beispiele dafür, was harmonisch, satztechnisch und melodisch möglich ist.

Im Prolog tauchen wir in die Streichquintette ein, spüren der Frage nach, wie Mozart hier – endlich ohne das große Vorbild Haydn im Nacken – Kammermusik und konzertanten Stil miteinander verschmilzt und Opernhaftes hineinfunkt.

Wir wollen zeigen, dass die Streichquintette zu Unrecht im Schatten ihrer vierköpfigen Verwandten stehen, wollen darüber sprechen, wie immens sich die Gewichte und Möglichkeiten verschieben, wenn statt einer zwei Bratschen besetzt sind, wollen der Tiefe des Ausdrucks und den komplexen Anforderungen auf den Grund gehen und uns so der Frage nähern: Solist vs. Kammermusik – ist das wirklich ein Widerspruch?

Jana Kuss und Oliver Wille, Gründungsmitglieder des Kuss Quartetts, erläutern im Gespräch mit der Musikjournalistin Raliza Nikolov, welche Voraussetzungen für gelingendes Kammermusikspiel gegeben sein müssen – wo die Herausforderungen, wo die Unterschiede oder Gemeinsamkeiten im Vergleich zum Vortrag eines Solokonzerts liegen. Und: Wie es gelingen kann, sich als Primaria oder Primarius mit einem bestehenden Streichquartett so zu verbinden, dass es klingt, als hätte die Nummer 5 schon immer dazugehört.

 

 

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Prolog III:
Das Quartett der Kritiker

Do., 25.10., 18:00 Uhr
NDR Landesfunkhaus, Kleiner Sendesaal

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Der Name ›Preis der deutschen Schallplattenkritik‹ ist fast so lang wie die Geschichte dazu. Anfang der 60er Jahren wollte eine gute Handvoll namhafter Musikkritiker einen Schallplattenpreis in Deutschland etablieren: als eine Qualitätskontrolle in der Flut der Neuerscheinungen. Ein gutes Jahrzehnt später versuchten die Plattenfirmen, Einfluss auf die Entscheidungen zu nehmen. Die kritischen Kritiker meuterten, traten aus und gründeten 1979 den ›Preis der deutschen Schallplattenkritik‹. Heute gehören dem gemeinnützigen Verein 160 Musikkritiker und Musikkritikerinnen an, die ihre Arbeit nicht nur ehrenamtlich verrichten, sondern sogar noch Vereinsbeiträge zahlen, um die Unabhängigkeit des Preises zu sichern, der weder auf die Musikindustrie noch auf irgendwelche Verkaufszahlen oder gar Bestsellerlisten achtet.

32 Fachjuries küren vierteljährige Bestenlisten, verleihen Jahres- und Ehrenpreise und obendrein die jährliche ›Nachtigall‹ für einen herausragenden Künstler eine Trophäe, die der Künstler Daniel Richter 2010 eigens für diesen Kritikerpreis gestaltet hat. Außerdem treten die Juroren ab und zu öffentlich auf: als ›Quartett der Kritiker‹ zu Gast bei Musikfestivals, in Opern- oder Konzerthäusern oder, wie jetzt in Hannover, beim Joseph Joachim Violinwettbewerb.

In diesem Talkshow-Format diskutieren vier Musikkritiker und Kritikerinnen aus dem Kreis der PdSK-Juroren über ein Musikstück und präsentieren dazu exemplarische Tonaufnahmen. Stets geht es um ein Werk, das auch im Fokus des Veranstalters steht: in Hannover naheliegend um ein Violinkonzert, in dessen Entstehungsgeschichte Joseph Joachim, der Namensgeber dieses Wettstreits, eine wichtige Rolle spielte. Susanne BendaSabine Fallenstein, Volker Hagedorn und Moderator Rainer Wagner bringen ihre Lieblingsaufnahmen mit – und seltener auch abschreckende Beispiele. Sie vergleichen, trennen Spreu vom Weizen und streiten miteinander um das ›Beste‹.