Noch Tage...

Joseph Joachim

Joachim wurde am 28. Juni 1831 als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Kittsee bei Preßburg geboren. 1833 zog die Familie nach Budapest, und bald erhielt das Kind seinen ersten Geigenunterricht – von dem polnischen Konzertmeister der Königlichen Oper zu Pest, Stanislaw Serwaczynski. Sein Talent fiel rasch auf, der Lebensweg als Musiker war vorgezeichnet.


Als Siebenjähriger wurde Joachim zur weiteren Ausbildung nach Wien gebracht, wo er bei Joseph Böhm studierte. Er musizierte im ›Kinderquartett‹ von Joseph Hellmesberger, besuchte das Wiener Konservatorium und schloss mit zwölf Jahren seine Ausbildung ab.



Die anschließenden Jahre in Leipzig, wo Felix Mendelssohn Bartholdy sein Mentor und Vorbild wurde, prägten Joachims künstlerische Identität. Mendelssohn sorgte dafür, dass sein Schützling zusätzlich zur Förderung als Violinist eine breite Allgemeinbildung sowie Kompositionsunterricht erhielt. Er nahm Joachim mit nach London, wo dieser unter großem Beifall Beethovens Violinkonzert zum ersten Mal vortrug. Mendelssohns umfassender Kunst- und Künstlerbegriff, den Joachim auch intensiv erlebte, gab dem jungen Geiger und Komponisten eine feste Orientierung in seiner musikalischen und persönlichen Entwicklung.

Joseph Joachim war 16 Jahre alt, als Mendelssohn plötzlich starb. Der Verlust des großen Vorbilds traf ihn hart, und es folgte eine durchaus krisenhafte Zeit. 1849 ging Joachim nach Weimar, wo er Liszt und Wagner kennenlernte, Konzertmeister wurde und auch als Komponist tätig war. Hier festigte sich weiter sein Entschluss, sich – bei aller Virtuosität – dem Musikideal Mendelssohns zu widmen.

Im Herbst 1852 traf Joseph Joachim die Entscheidung, nach Hannover zu gehen. 15 Jahre lang war er dort zu Hause; er prägte das Musikleben der Stadt als Konzertmeister (später Konzertdirektor) sowie Solist und Vertrauter des Königs Georg V., der übrigens auch Pate bei seiner Taufe stand. Konzertreisen unternahm Joachim in ganz Europa; Zeit zum Komponieren fand er auch weiterhin. Mit den Jahren in Hannover verbunden sind seine engen Freundschaften mit Johannes Brahms und Clara Schumann (Robert Schumann verstarb bereits 1856), seine Heirat mit der Sängerin Amalie Schneeweiss und eine musikalische Entwicklung, die ihn in den Worten eines zeitgenössischen Kritikers »hoch über das jetzige Virtuosentum … im Dienste der echten, wahren Kunst« erhob. Er wagte den öffentlichen Vortrag von Johann Sebastian Bachs Solowerken für Violine; er spielte nicht nur eigene Kompositionen, sondern vor allem die der zeitgenössischen Komponisten (mit denen er größtenteils auch befreundet war); er verkörperte den »Musiker vor allen Dingen«, den Interpreten im Dienste der Musik.

1866 wurde Hannover preußisch, Joachim verließ das Orchester. Zwei Jahre später nahm er einen Ruf nach Berlin als Gründungsdirektor der Königlichen akademischen Hochschule für Musik an. Dort rief er ein Orchester und das legendäre Joachim-Quartett ins Leben; er wirkte als konzertierender Musiker und Pädagoge fast 40 Jahre lang, bis zu seinem Tod am 15. August 1907. Die Hochschule ehrte den Verstorbenen mit einer großen Trauerfeier (eine Porträtbüste von Joachim wurde eigens dafür von Otto Lessing fertiggestellt); im Juni 1913 wurde ein Joachim-Denkmal im Foyer des Konzertsaals eingeweiht. 1936 bzw. 1938 wurden Büste und Denkmal von den Nationalsozialisten aus der Hochschule entfernt, ein – vergeblicher – Versuch, den großen Künstler, Pädagogen und Komponisten in Vergessenheit geraten zu lassen.

Die Stiftung Niedersachsen ehrt den Künstler seit 1991 alle drei Jahre auf besondere Weise mit der Durchführung des ›Internationalen Joseph Joachim Violinwettbewerbs Hannover‹.